wood-1a
wood-1b

In den Tiefen des Internet lassen sich die interessantesten Informationen

über unseren Stadtteil finden. Auf dieser Webseite sollen diese wichtigen

Informationen allen neugierigen Menschen zugänglich gemacht werden.

 

 

 

Zurück
01/2000
02/2000
03/2000
04/2000
Impressum
 
 
BAGSO Nachrichten onlineBAGSO-LOGO
 
 

Ausgabe 01/2000

 
Martin F. Röhrig

Wohngenossenschaft "Jung und Alt" in Hamburg

 

Vorbemerkungen 

Vor zwanzig Jahren wurde in Hamburg ein Verein gegründet, die "Wohngemeinschaft Jung und Alt" (WGJA), der es sich zum Ziel setzte, Menschen zusammenzubringen, die in der Großstadt nach Möglichkeiten suchten, nicht mehr allein zu leben, nicht mehr isoliert, nicht mehr fremdbestimmt, sondern selber mitbestimmen wollten, wo, wie und mit wem sie zusammen wohnten.

Schon seit vielen Jahren wird hier einmal im Monat ein Treffen organisiert: Zum .Kennenlernen, für gemeinsame Freizeitaktivitäten, Unternehmungen aller Art, vor allem aber zum Austausch von Informationen über alternative Wohnformen und die Möglichkeiten, die Wünsche, Träume und Ideen des gemeinsamen Wohnens in die Realität umzusetzen. 

Nach vielen Treffen und Gesprächen bildet sich eine Gruppe, wächst eine Idee, wird diese Idee zur Planung, zum Projekt. Es bildet sich eine "Initiativgruppe", die darangeht, ihre Ideen in die Realität umzusetzen.

Im folgenden wird die Entstehung der "Wohngenossenschaft Jung und Alt" beschrieben. Es ist nur eine Geschichte von vielen, denn jedes Projekt hat seine eigene Geschichte. Es gibt so viele Geschichten, wie es Wohnprojekte gibt, und keine kann eine Gebrauchsanweisung für Nachahmer sein. Aber in jeder dieser Geschichten wird man Details finden, die anregen können, ein Problem so oder anders zu behandeln.

Erwähnt sei noch, dass wir unser Projekt ohne einen sehr weitgehenden emotionalen Einsatz der meisten Beteiligten niemals hätten verwirklichen können.

Chronologie

1992
Die Initiativgruppe stellt bei der Stadt Hamburg einen Antrag auf Überlassung eines Grundstückes im Hamburger Westen, in Flottbek. 

Mai 1993
"Anhandgabe" eines Grundstückes an der Heinrich-Plett-Straße in Flottbek an die Initiativgruppe - 
Jetzt sind 18 Monate Zeit, die MitstreiterInnen zu werben, die Finanzierung sicherzustellen, eine Planung vorzulegen.

April 1994
Gründung der "Wohnungsbaugenossenschaft JUNGundALT"

Juni 1995 
Der erste Spatenstich

August 1995
Grundsteinlegung

November 1995
Richtfest

Dezember 1995 
Eintragung der Genossenschaft in das Genossenschaftsregister des Amtsgerichtes in Hamburg - 
Jetzt fließen die dringend benötigten Kredite.

Winter 1995/96
Frost - Der Bau liegt über Wochen still. Die Mitglieder montieren bei klirrender Kälte auf allen drei Häusern Solaranlagen.

1996
Die "heiße Phase" - Innenausbau der drei Häuser mit insgesamt 26 Wohnungen unter aktiver Mitarbeit der Mitglieder - 
Alle Räume streichen, Hilfe bei der Verlegung der Holzfußböden, usw.

Ende 1996
Alle Mitglieder haben ihre Wohnungen bezogen

1997
Bau eines Fahrradhauses, Gestaltung der Gartenanlage, Bau eines Spielgeländes für die Kinder

1998
Bau eines winterfesten Gemeinschafts- Garten- Spielhauses - 
Jetzt können wir unsere Mitgliederversammlungen und Feiern aus den Wohnzimmern und der Tiefgarage dorthin verlegen.

Die vorhergehende Übersicht läßt nicht annähernd erkennen, wieviel tausende von Stunden ermüdender und harter Arbeit eingesetzt wurden, aber ebenso voller schöner Erlebnisse, immer mit dem Ziel vor Augen, dem wir uns mit jedem Handschlag näherten:

  • In Treffen mit neuen Interessenten,
  • in Treffen mit dem Rechtsanwalt, um eine Satzung zu erstellen,
  • in Sitzungen mit der Architektin, um im steten Dialog mit allen Beteiligten die Bau- und Wohnungspläne zu erstellen, 
  • in Treffen mit den beteiligten Behördenvertretern,
  • bei Arbeiten am und im Bau bis zum endlichen Bezug der Wohnungen.
Mitgliederwerbung

"Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich..."
Zur Zeit der Anhandgabe im Mai 1993 bestand die Gruppe aus 4 Mitgliedern, der Initiativgruppe, die sich unverzüglich daran machte, die für die Realisierung notwendigen Mitglieder zu werben.

Zu den allmonatlichen Informationsabenden der WGJA kamen Interessentinnen, die zumeist durch Mundpropaganda oder Veröffentlichungen in der Presse von dem Projekt gehört hatten. 

An einem Abend kamen nur fünf, am anderen dreißig oder mehr. Die einen blieben schon beim nächsten Treffen weg, die anderen kamen wieder und wollten Einzelheiten erfahren, und mit diesen traten wir in einen Prozess des Austausches von Informationen ein, des Kennenlernens: 
Wer bist Du? Was tust Du? Warum willst Du bei uns mitmachen? Kannst Du mithelfen? Entsprichst Du den von außen vorgegebenen Bedingungen? Kannst Du das notwendige Geld beschaffen?

Fragen über Fragen von beiden Seiten

Anfangs, in den ersten Monaten dieses Gruppenbildungsprozesses, lief das relativ unkompliziert ab: 

Irgendjemand, eine Einzelperson oder ein Paar oder eine Familie, erklärt uns nach einigen wenigen Treffen, mitmachen zu wollen. Wir freuen uns: Wieder eine mehr! Sie nimmt nun an der Planung teil, wir schließen sie in die Gruppe ein und auch in unsere Herzen. 

„Du willst mitmachen? Toll! Wir freuen uns! Wo willst Du wohnen? Südhaus zweiter Stock links ist noch eine Wohnung frei. Passt ja wunderbar!“

Sie kommt mit zu den Treffen bei der Architektin, kann mitentscheiden und ihre Wünsche äußern. Der Grundriss der gewünschten Wohnung wird entsprechend ihren speziellen Bedürfnissen abgeändert, es werden neue Zeichnungen angefertigt, und die Architektin berechnet zusätzliche Arbeitszeit. 

Zwei Sitzungen später müssen wir hören, dass aus der Mitarbeit leider doch nichts werden kann, weil sich die Lebensplanung geändert habe oder das notwendige Kapital nicht zu beschaffen ist.

Für uns ein doppelter Rückschlag: Die Gruppe verkleinerte sich wieder. Was aber schwerer wog, war die Enttäuschung darüber, dass uns jemand verließ, den wir schon in unsere Herzen geschlossen hatten.

Irgendwann verkündeten mehrere Familien zugleich, sich von uns wieder trennen zu müssen.

Die Gruppe schmolz auf einen Schlag auf die Hälfte zusammen, Panikstimmung kam auf. Was passiert, wenn wir die notwendige Zahl der Mitglieder nun nicht rechtzeitig zusammen bekommen?

Wir beschlossen, gegen diese Rückschläge eine Hürde aufzubauen. Von nun an sollten alle Personen, die sich am Projekt beteiligen wollten, ein Eintrittsgeld von DM 1000.- bezahlen, bevor sie irgendwelche Forderungen stellen oder sich an Entscheidungen beteiligen konnten. Traten sie dennoch zurück, verblieb dieses Eintrittsgeld im Projekt. Die entstandenen Kosten waren gedeckt, und es blieb der Gruppe ein kleines Schmerzensgeld.
Der Erfolg stellte sich umgehend ein. Die Zahl der Rücktritte ging erheblich zurück.

Als gegen Ende der Frist von 18 Monaten die meisten Wohnungen belegt waren, änderte sich das Auswahlverfahren. Die Angst, nicht genug Leute zu finden, die sich an dem Projekt beteiligten, schwand. Gleichzeitig wurde sich die Gruppe der Verantwortung bewusst, die sie in ihrer Rolle der Vermieterin von Wohnraum trug.
Es geschah, dass sich zwei oder mehr „Neue“ für die gleiche Wohnung interessierten.
Wir mussten uns entscheiden. Jede Interessentin wurde gesondert eingeladen, konnte Fragen stellen, musste Fragen beantworten, bekam eine Kontaktperson zugeordnet. Erst nach Kenntnis aller Bewerberinnen wurde auf einer Folgesitzung abgestimmt, und die Interessentin, die die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte, war gewählt.
Die Auserwählte erklärte ihren Beitritt, unterschrieb die Beitrittserklärung, und nahm forthin als vollberechtigtes Mitglied an den Gruppensitzungen teil, war an den Entscheidungsprozessen beteiligt, stimmte also auch über die nachfolgenden „Neuen“ mit ab. 

Gegen Mitte des Jahres 1995 war die Gruppe weitgehend vollständig, die erste Hürde war genommen. Andere Projekte in Hamburg, die sich in diesen Jahren bildeten, brauchten mehr als die doppelte Zeit, ihre Leute zusammen zu bekommen. 

Natürlich ist die Befragung von Interessentinnen allein nicht ausreichend, deren Eignung für so ein Projekt festzustellen. Gelingt es der einen Person, sich besser darzustellen als eine andere, ist sie der Gruppe sympathischer, wird sie mehr Stimmen bekommen als die andere, die vielleicht besser geeignet gewesen wäre.  

Diese Erfahrung blieb uns nicht erspart. Ein Teil der Gruppe fiel auf die gelungene Selbstdarstellung eines Interessenten regelrecht herein. Dieser bekam die Wohnung, zog ein, wohnte einige Zeit bei uns, nicht mit uns. 

In einem Mietshaus fällt so ein Mieter vielleicht gar nicht auf. In unserem Projekt, das von der Kommunikation und den Kontakten der Mieter untereinander abhängig ist, wo wir miteinander leben und arbeiten, ist dies schwer zu ertragen, bedeutet das eine Belastung für das Projekt, das auf die Mitarbeit jedes Mitgliedes angewiesen ist.  

Man wird versuchen, eine falsche Entscheidung zu revidieren. Man wird versuchen, diese Person wieder loszuwerden. Wenn das nicht gelingt, wohnt sie im ungünstigsten Fall bei uns bis ans Ende ihrer Tage. Nach dem geltenden Mietrecht kann auch eine Projektgruppe, die als Vermieterin auftritt, einen Mieter nicht wieder loswerden, es sei denn, er hat in schwerer Weise gegen die Regeln des Mietvertrages verstoßen.  

Letztlich merkt man am besten bei der gemeinsamen Arbeit, ob jemand in das Projekt passt und sich für seinen Fortbestand einsetzt. Und eine Bewerberin weiß auch erst nach einer gewissen Zeit der gemeinsamen Arbeit, ob diese Gruppe und diese Leute die richtigen für sie sind. Selbst die richtige Entscheidung für die richtigen Leute ist keine Garantie für alle Zukunft. Die Zeit ändert sich, die Menschen ändern sich, ihre Interessen ändern sich, und es bleibt nichts so, wie es war.
Vergleicht man den zuvor beschriebenen Ablauf der Mitgliederwerbung bei uns mit der anderer Projekte, fällt ein bedeutender Unterschied auf: 

Bei allen anderen Projekten - die bekannt sind - standen am Anfang ein paar Leute und eine Idee. Sie begannen, andere für diese Idee zu begeistern. Erst wenn die Gruppe weitgehend vollständig war, alle wichtigen Fragen des Zusammenlebens besprochen und viel Zeit für das Kennenlernen aufgewandt worden war, tat man sich mit einer Architektin zusammen und besorgte sich das notwendige Grundstück oder Bauwerk.

Anders bei uns:

Hier war am Anfang eine kleine Initiativgruppe, die Architektin und ein Grundstück. Dann wurden die Mitstreiterinnen gesucht. Die Zeit war knapp, wir wurden getrieben von den Terminen und zeitweise auch von der Sorge, die geplanten Wohnungen nicht rechtzeitig besetzen zu können. Wir mussten trotzdem immer versuchen zu erkunden, ob die jeweiligen "Neuen" wegen der Projektidee zu uns kamen oder nur wegen des Wunsches nach einer attraktiven Wohnung. Die Phase des Kennenlernens überschnitt sich mit der Bauphase, und so gab es noch, als die Häuser schon im Rohbau standen, Wechsel in der Besetzung. 
Wir sind nicht davon überzeugt, dass die eine oder die andere Vorgehensweise die richtige ist.  

Wir sind uns auch darüber im klaren, dass eine Entscheidung für das Wohnen in einem Projekt nicht eine Entscheidung für ewig sein muss. Die Lebensumstände können sich ändern, und ein Wechsel kann sich als notwendig und richtig erweisen. Dies bedeutet nicht, dass die zuvor gefällte Entscheidung falsch gewesen sein musste.

Organisation

Mit zunehmender Mitgliederzahl, fortschreitender Realisierung des Projektes und Häufung der Arbeit wuchs zwangsläufig auch der Organisationsgrad der Gruppe. 

Seit Dezember 1995 sind wir eine eingetragene Genossenschaft mit den Organen (Aufsichtsrat, Vorstand, Mitgliederversammlung (MV) und den Pflichten (Mitgliederliste, Buchhaltung, Bilanzerstellung, usw), die einer Genossenschaft vom Gesetzgeber auferlegt werden. So haben wir auch die nach dem Genossenschaftsrecht vorgeschriebene Satzung erstellt, ebenso eine Hausordnung, in denen alle wichtigen - äußeren - Fragen des Zusammenlebens geregelt sind.  

Bei einer Gruppe unserer Größe (40 Erwachsene) kann man nicht erwarten, dass die Interessen aller Mitglieder immer die gleichen sind. Im Konsensgespräch müssen Kompromissen geschlossen werden. Funktioniert dies nicht, helfen nur Abstimmungen, um zu einem tragfähigen Beschluss zu kommen. Es gibt Mehrheitserfordernisse, die in der Satzung festgelegt sind. 

Wir verstehen uns als basisdemokratisch. Die fünf Mitglieder unseres Vorstandes haben weniger Rechte, als sie in einer Genossenschaft üblich sind, ebenso der Aufsichtsrat. Alle wichtigen Entscheidungen sollen von möglichst vielen Mitgliedern beschlossen und getragen werden.  

Die zur Beschlussfassung anstehenden Gegenstände werden in Arbeitsgrpppen (Finanzgruppe, Rechtsgruppe, Baugruppe, Gartengruppe, Öffentlichkeitsarbeit) vorbesprochen und der MV zur endgültigen Entscheidung vorgelegt. 

Die MV wird von einer Gesprächsleitung moderiert, die dafür sorgt, dass jedes Mitglied zu Wort kommt, das sich zu einem Thema meldet. Es wird gewünscht, dass alle Mitglieder auf der MV anwesend sind, häufig sind leider nur wenig mehr als die Hälfte der Mitglieder anwesend. Bei allen Sitzungen wird Protokoll geführt, bei der MV und den Sitzungen von Aufsichtsrat und Vorstand ist dies Vorschrift und wird vom Dachverband der Wohnungsbaugenossenschaften kontrolliert. 

In letzter Zeit hat sich noch ein zusätzliches Gremium gebildet, das etwa alle zwei Monate tagt. In diesem Kreis werden Themen angesprochen, die auf den Sitzungen der Arbeitsgruppen oder den MV'en keinen Platz finden. U.a. wir hier über die dringend anstehende Änderung der Arbeitsaufteilung nachgedacht. 

Außerdem wird eine Geschäftsordnung für die Mitgliederversammlung entwickelt, um diese effektiver und stressfreier zu gestalten.  

Grundsätzlich haben alle Mitglieder Zugang zu allen Gruppen und ihren Sitzungen, aber es ist leider so, dass dort eher zu wenig auftauchen als zu viele. 

Nun soll hier nicht der Eindruck entstehen, als seien wir eine Gruppe von Sitzungsfanatikern. Aber im Laufe der Jahre mussten wir erkennen, dass alle diese oben beschriebenen Organe notwendig sind, um die Erhaltung und den Fortbestand unseres Projektes, genauer: der Genossenschaft zu gewährleisten. 
Zusammengenommen werden von den Mitgliedern also viele Stunden für das Projekt aufgewandt. Nicht zuletzt sind ja auch noch alle die Tätigkeiten zu verrichten, die im Zusammenhang mit dem Eigentum von Haus und Garten ohnehin anfallen. 

Unsere Häuser

Die Stadt Hamburg verpachtete uns ein Grundstück mit 3700 Quadratmetern. 
Entsprechend den Vorgaben des Bebauungsplans bauten wir drei Häuser mit quadratischem Grundriss (16,5m x 16,5m) mit Erdgeschoss und zwei Stockwerken, in jedem Stockwerk drei Wohnungen, von denen die obersten teilweise als Maisonnetten ins Dachgeschoss hinaufreichen. 

Die Wohnungsgrößen liegen zwischen 48 und 115 Quadratmeter. In jedem Stockwerk befindet sich generell eine Wohnung für eine Einzelperson (ca 50 qm), eine Wohnung für zwei Personen (70 bis 80 qm) und eine größere Wohnung für eine Familie (90-110 qm) 

Alle 26 Wohnungen haben große Fenster, einen Erker, Holzfußböden. Unter einem der drei Häuser befindet sich eine Tiefgarage. 

Auf allen drei Dächern montierten wir selbst eine thermische Solaranlage, die den Warmwasserbedarf im Sommerhalbjahr weitgehend deckt. Unter den Rasenflächen des Gartens liegen zwei Tanks der Regenwasseranlage, die die Toiletten mit Spülwasser versorgen soll und uns viel Ärger bereitet. 

Im Sommer 1997 errichteten wir in Eigenarbeit ein hölzernes Fahrradhaus mit Grasdach, desgleichen bauten wir ein Spielgelände für die Kinder, im darauffolgenden Jahr ein winterfestes Gemeinschaftshaus. Hier halten wir seither unsere Mitgliederversammlungen ab. Aber wir nutzen es auch auf vielfältige Weise für Feste der ganzen Gruppe wie auch für private Feiern. 

Der Garten, das Wohnzimmer aller Projektteilnehmer während der warmen Jahreszeit, wurde von einem Architekten entworfen und mit viel Aufwand und Liebe von den Projektteilnehmern gestaltet und zu dem gemacht, was er jetzt ist: Platz zum Spielen für die Kinder, ein Flüsschen, in dem sie planschen können, Grasflächen zum Entspannen für die Erwachsenen Hängematten zwischen Bäumen, Platz für das Osterfeuer, zum Grillen.  

Bei der Verteilung der Wohnungen galt das Prinzip: Wer neu in die Gruppe kommt, kann sich unter den noch freien Wohnungen eine aussuchen, die seinen Vorstellungen entspricht. Es galt also das Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ein für ein Wohnprojekt vielleicht nicht sehr soziales Motto, aber wir sahen keine bessere Möglichkeit der Verteilung, weil die Wohnungen ja schon während der Zeit der Anwerbung der Mitglieder entsprechend unseren Bedürfnissen und Wünschen konzipiert wurden, wir also an der Gestaltung der Grundrisse mitarbeiteten. 

Die zuletzt Gekommenen mussten die Grundrisse ihrer Wohnungen so akzeptieren, wie sie sie vorfanden.
Dieses Problem tritt bei einer Gruppe, die sich erst vollständig zusammenfindet und dann an die Beschaffung des Wohnraumes geht, so nicht auf. Allerdings wird es immer schönere und weniger schöne Wohnungen geben und damit auch Interessenkonflikte. 

Noch ein Problem:"Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen". Bei der Verteilung der Bewohner auf die drei Häuser wurden Fragen ausgeklammert oder nicht bedacht, deren Wichtigkeit jetzt, da sie zusammen wohnen, in den Vordergrund rückt. Als Beispiel sei hier das Problem der Lärmbelästigung genannt. Freuten sich in der Planungsphase noch die "Ersatzomas, -opas, -onkel und -tanten" auf die "Ersatzkinder und -enkel", so fühlen sie sich jetzt durch den Lärm gestört.  

Bei einer nochmaligen Verteilung der Wohnungen würden wir dies Problem in anderer Weise berücksichtigen: Vielleicht ziehen die Familien mit Kindern in das eine Haus, die Lärmempfindlichen in das andere? Oder man muss bei der Erstellung der Bausubstanz stärker auf die Geräuschdämmung achten.

Finanzen

Durch die Richtlinien für den öffentlich geförderten genossenschaftlichen Wohnungsbau ist festgelegt, wieviel Quadratmeter das einzelne Genossenschaftsmitglied entsprechend seinem jeweiligen Familienstand beanspruchen kann. 

Jedes Mitglied musste einen Geschäftsanteil (à DM 700) pro beanspruchten Quadratmeter Wohnraum erwerben. Das bedeutet für eine Wohnung von 100 qm 100 Geschäftsanteile, also DM 70 000.-. Für die kleinsten Wohnungen (48 qm) immer noch DM 33 600.-. 

Für viele war diese Bedingung der Grund, schweren Herzens wieder aus dem Projekt auszusteigen. Wir konnten dies nicht verhindern, weil niemand von uns in der Lage gewesen wäre, neben den eigenen Verpflichtungen noch die anderer zu tragen.
So kam bei 2000 qm Wohnfläche eine Summe von DM 1.400.000 zusammen.
Von einer Bank kam eine Hypothek in Höhe von ca. DM 500 000.- 
Die WK bewilligte einen Kredit von ca. DM 5 500 000.-
Die Kaltmieten (DM 10,80/qm im ersten Förderungsweg und DM 13,65/qm im dritten Förderungsweg) dienen zur Tilgung der Darlehen und Bildung von Rücklagen entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen.

Wie wir jetzt zusammen leben 

Seit Ende des Jahres 1996 wohnen wir nun zusammen in einem der schönsten Stadtteile Hamburgs, auf einem Grundstück mit viel Platz zum Spielen für die Kinder, auf der einen Seite der Botanische Garten, auf der anderen Seite Villenbebauung, mit einem Flüsschen, der Flottbek, die dem Stadtteil ihren Namen gab, leider an einer relativ befahrenen Straße, 10 Fußminuten bis zur Elbe. 

In den 26 Wohnungen wohnen 40 Erwachsene im Alter von 30 bis 80 und 21 Kinder und Jugendliche von 1 bis 17 Jahren. Singles ohne Kinder, alleinerziehende Frauen, keine alleinerziehenden Männer, Paare ohne Kinder, Paare mit 1 bis 3 Kindern. Buntgemischt also Jung und Alt, wie der Name unserer Genossenschaft sagt. 

Haupttreffpunkt ist im Winter das Gartenhaus, wo die Mitgliederversammlungen und Arbeitsgruppensitzungen stattfinden, mehr Arbeit als Vergnügen. Aber hier werden auch Geburtstage gefeiert, hier erwarten die Kinder den Nikolaus, wir treffen uns zum Sylvesteressen, die Jugendlichen richten für Freunde Partys aus usw. 

Im Sommer ist der Garten voller Leben. Wann immer das Wetter es zuläßt, herrscht hier ein buntes Treiben. Nicht alle wollen den Garten pflegen, aber alle wollen bei seiner Gestaltung mitreden, mitentscheiden. Die Jugendlichen wollen auf den Rasenflächen Fußball spielen, ihre Eltern befürworten dies, andere sind dagegen. 

Notfalls regelt die MV, was nicht anders zu klären ist, es werden Entscheidungen gefällt, an die sich die Mitglieder halten. 

Als eines der zentralen Probleme beschäftigt uns momentan die Arbeitsverteilung:
Ein Wohnprojekt wie das unsere lebt von der Idee, dass alle Mitglieder die gleichen Rechte und Pflichten haben. Dies ist in einer Genossenschaft, in der alles nach vorgegebenen Regeln funktioniert, leichter zu realisieren als bei einer Gruppe wie der unseren, die irgend etwas ist zwischen Großfamilie und Genossenschaft. 

Nicht alle Mitglieder beteiligen sich in zufriedenstellender Weise an der Arbeit in den Arbeitsgruppen oder der MV, was für die anderen Mehrarbeit und Frust bedeutet.  

Bisher galt das Prinzip: Jedes Mitglied soll entsprechend seinen Möglichkeiten und Interessen in einer von ihm selbst gewählten Arbeitsgruppe mitarbeiten. Keiner wird gezwungen, bestimmte Arbeiten zu erledigen oder eine bestimmte Menge an Arbeit zu tun. Es soll kein moralischer Druck ausgeübt werden. 

Diese Meinung vertreten natürlich vor allem die Mitglieder, die eher weniger tun als die anderen, die die Hauptlast der Arbeit und auch der Verantwortung tragen. 

Inzwischen haben wir uns entschlossen, einen Teil der Verwaltungsarbeit zu delegieren, was hoffentlich den Arbeitsdruck erheblich vermindern wird.  

Das Problem der Wissens- und Machtkonzentration ist damit jedoch nicht gelöst. Wir bleiben im Gespräch, bis wir eine Lösung gefunden haben. 

Wir haben in den inzwischen drei Jahren des Zusammenlebens gelernt, dass die Klärung von Konflikten, die durch das Zusammenwohnen, durch das Nebeneinander verschiedener Interessen entstehen, oft lange dauern und mühevoll und beschwerlich ist. Aber sie werden bei uns angegangen, und es wird eine Lösung oder ein Kompromiss gefunden, an den sich die Mitglieder halten.  

Wohnprojekte wie das unsere, so sie denn funktionieren, sind soziale Kunstwerke, und es ist viel guter Wille und Einsatz aller Beteiligten notwendig, sie zu erhalten.

Martin F. Röhrig
Heinrich-Plett-Straße 31
22609 Hamburg
e-mail: mfroehrig@aol.com
 

 
Anfang
01/2000
02/2000
03/2000
04/2000
Nächster
 
Hamburg-Groß Flottbek: Wohnprojekt "jung und alt" - Hauseingang

Herzlich Willkommen!

Hamburg-Groß Flottbek: Wohnprojekt "jung und alt" - Balkon mit Blumen

Gemütliches Wohnen!

Hamburg-Groß Flottbek: Wohnprojekt "jung und alt" - Spielplatz

Kindergerecht gestaltet.

Hamburg-Groß Flottbek: Wohnprojekt "jung und alt" - Brücke über die Flottbek

Wohnen im Grünen.

Hamburg-Groß Flottbek: Wohnprojekt "jung und alt" - jedes Haus mit Solaranlage

Ökologisches Wohnen.

Hamburg-Groß Flottbek: Wohnprojekt "jung und alt" - der Fluss, der dem Stadtteil den Namen gab

In und an der Flottbek.

Hamburg-Groß Flottbek: Wohnprojekt "jung und alt" - Gemeinschaftshaus

Gemeinschaftlich gestalten.

Das Landgericht Hamburg hat mit Urteil vom 12.05.1998 entschieden, dass man durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann - so das LG - nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Wir haben auf unseren Seiten Links zu anderen Seiten im Internet gelegt. Für alle diese Links gilt:

"Wir betonen, dass wir keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten haben. Deshalb distanzieren wir uns  ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf unserer dieser gesamten Website inkl.  aller Unterseiten. Diese Erklärung gilt für alle auf unserer Homepage ausgebrachten Links und für alle Inhalte der Seiten, zu denen Links oder Banner führen.

Preisvergleich Öko- und Atomstrom

Vattenfall HH Basis  20,01 C/kWh  6,10 E/mtl.

NUON Lekker Strom  19,89 C/kWh  5,95 E/mtl.

Und worauf warten Sie jetzt noch?

Preisvergleich Gaslieferanten

E.ON Hanse Stand.  6,32 C/kWh  7,14 E/mtl.

NUON wakker gas  5,79 C/kWh  9,95 E/mtl.

Und worauf warten Sie jetzt noch?